Stapel schwarzer Ordner mit Dokumenten auf einem Tisch
Wissen

ELTIF Unterlagen: Welche Dokumente Sie vor der Anlage lesen sollten

Vor einer ELTIF-Anlage sollten Sie die Fondsregeln, den Verkaufsprospekt, das Basisinformationsblatt (KID), den letzten Jahresbericht, Ihre Geeignetheitserklärung und den schriftlichen Warnhinweis lesen. Erst zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild.

7 Min. Lesezeit Aktualisiert Fachprüfung noch nicht erfolgt

Illustrative Fotos. Sie zeigen keine Immobilien eines Fonds. Sora Shimazaki, Pexels.

KurzantwortVor einer ELTIF-Anlage sollten Sie die Fondsregeln, den Verkaufsprospekt, das Basisinformationsblatt (KID), den letzten Jahresbericht, Ihre Geeignetheitserklärung und den schriftlichen Warnhinweis lesen. Erst zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild.

Vor einer Anlage in einen ELTIF sollten Sie sechs Unterlagen kennen: die Fondsregeln (Anlagebedingungen oder Satzung), den Verkaufsprospekt, das Basisinformationsblatt (KID), den letzten Jahresbericht, die Geeignetheitserklärung, die Sie nach der Geeignetheitsprüfung erhalten, und den schriftlichen Warnhinweis zu Laufzeit und Matching. Kein Dokument allein reicht aus. Das KID gibt einen schnellen Überblick, die verbindlichen Regeln stehen in den Fondsregeln und im Prospekt, und der Jahresbericht zeigt, wie der Fonds tatsächlich aufgestellt ist.

Dieser Beitrag erklärt, was die einzelnen Dokumente allgemein enthalten, wie Sie sie zusammen lesen und woran Sie Warnsignale erkennen. Er nennt keine Daten konkreter Fonds und ist keine Anlageempfehlung.

Welche Unterlagen brauche ich vor einer Investition in einen ELTIF?

Die folgende Übersicht ordnet die Dokumente nach Zweck. Die Bezeichnungen können je nach Land und Rechtsform des Fonds abweichen, die Inhalte ähneln sich aber.

Dokument Wer stellt es aus Was es allgemein enthält Worauf Sie achten sollten
Fondsregeln (Anlagebedingungen, Satzung) Verwalter bzw. Fondsgesellschaft verbindliche Regeln zu Anlagepolitik, Laufzeit, Rücknahmen, Kosten, Rechten der Anleger Laufzeitende, mögliche Verlängerung, Rücknahmebedingungen
Verkaufsprospekt Verwalter ausführliche Beschreibung von Strategie, Risiken, Kosten, Bewertung, Organisation Risikokapitel, Fremdkapital, Interessenkonflikte
Basisinformationsblatt (KID) Hersteller des Produkts standardisierte Kurzinformation: Risikoindikator, empfohlene Haltedauer, Kosten, Szenarien Risikoindikator, Kosten, Haltedauer
Jahresbericht Verwalter Vermögensaufstellung, Ergebnis, Bewertung, Verschuldung, Entwicklung im Geschäftsjahr tatsächliche Zusammensetzung, Leerstand, Kredite
Geeignetheitserklärung Ihr Berater oder Vertreiber Ergebnis der Geeignetheitsprüfung nach MiFID II für Ihre Situation ob Ihre Angaben korrekt erfasst sind
Schriftlicher Warnhinweis Vertreiber oder Verwalter Hinweise zu langer Laufzeit und dazu, dass Matching keinen Ausstieg zusagt ob Sie ihn erhalten und verstanden haben

Was steht in den Fondsregeln?

Die Fondsregeln, je nach Rechtsform Anlagebedingungen, Vertragsbedingungen oder Satzung genannt, sind das rechtlich verbindliche Fundament. Hier steht, in was der Fonds investieren darf, wie lange er läuft und welche Rechte Sie als Anleger haben. Für einen ELTIF besonders wichtig: Die Regeln müssen das Ende der Laufzeit klar angeben und können eine zeitweise Verlängerung vorsehen (Art. 18 Abs. 1). Ob Rücknahmen während der Laufzeit möglich sind, hängt ebenfalls davon ab, ob die Regeln sie erlauben (Art. 18 Abs. 2).

Lesen Sie hier vor allem die Abschnitte zu Laufzeit, Rücknahme, Übertragung von Anteilen und Kosten. Mehr zum Begriff steht im Glossar unter Fondsregeln.

Was ist der Unterschied zwischen KID und Verkaufsprospekt?

Das Basisinformationsblatt nach der PRIIPs-Verordnung (EU) Nr. 1286/2014 ist kurz und einheitlich aufgebaut. Es enthält einen zusammenfassenden Risikoindikator auf einer Skala von 1 bis 7, die empfohlene Haltedauer, eine Kostenübersicht und beispielhafte Performance-Szenarien. Der Vorteil: Sie können verschiedene Produkte schnell nebeneinanderlegen. Die Grenze: Szenarien beruhen auf Modellen und sind keine Prognose, und viele Einzelheiten fehlen.

Der Verkaufsprospekt ist dagegen ausführlich. Er beschreibt Strategie, Anlagegrenzen, Bewertung, Fremdkapital, Risiken, Kosten, Organisation und Interessenkonflikte. Wer nur das KID liest, kennt die Überschrift, aber nicht den Text. Eine Anleitung zum KID finden Sie in So lesen Sie ein Basisinformationsblatt, den Begriff Prospekt erklärt Verkaufsprospekt im Glossar.

Was zeigt der Jahresbericht?

Während Prospekt und Fondsregeln beschreiben, was der Fonds tun darf, zeigt der Jahresbericht, was er tatsächlich getan hat. Typische Inhalte sind die Aufstellung der Vermögenswerte, die Bewertung zum Stichtag, Erträge und Aufwendungen, die Höhe der Kredite und Angaben zur Entwicklung im Geschäftsjahr. Bei Immobilienfonds finden sich oft auch Angaben zu Vermietung, Leerstand und Mietvertragslaufzeiten.

Bei einem neu aufgelegten Fonds gibt es noch keinen Jahresbericht. Das ist kein Mangel an sich, bedeutet aber, dass Sie sich stärker auf Absichtserklärungen stützen müssen. Fragen Sie dann, welche Objekte bereits erworben sind und welche noch gesucht werden.

Was sind Geeignetheitserklärung und schriftlicher Warnhinweis?

Diese beiden Dokumente betreffen nicht den Fonds, sondern Sie. Ein ELTIF darf einem Privatanleger nur angeboten werden, wenn eine Geeignetheitsprüfung nach Art. 25 Abs. 2 der Richtlinie 2014/65/EU (MiFID II) erfolgt ist und der Anleger eine Geeignetheitserklärung erhalten hat (Art. 30 Abs. 1). Darin hält der Berater fest, ob und warum das Produkt zu Ihren Kenntnissen, Ihrer finanziellen Lage und Ihren Zielen passt. Ist es nicht geeignet, liegt keine Anlageberatung vor, und wenn Sie trotzdem fortfahren wollen, ist Ihre ausdrückliche Zustimmung nötig, dass Sie die Risiken verstehen.

Der schriftliche Warnhinweis (Art. 30 Abs. 2) enthält zwei Botschaften: Bei einer Laufzeit über 10 Jahre ist das Produkt möglicherweise nicht für Anleger geeignet, die eine so langfristige und illiquide Bindung nicht tragen können. Und ein Matching von Anteilen sagt weder einen Ausstieg noch eine Rücknahme zu. Mehr dazu in ELTIF für Privatanleger.

Wie lese ich die Unterlagen zusammen?

Ein praktisches Vorgehen ohne Zahlen, das sich für die meisten Fonds eignet:

  1. KID zuerst. Notieren Sie Risikoindikator, empfohlene Haltedauer und Kostenangaben. Das sind Ihre Leitfragen.
  2. Fondsregeln danach. Prüfen Sie Laufzeitende, Verlängerungsmöglichkeit, Rücknahmebedingungen und Übertragbarkeit.
  3. Prospekt gezielt. Lesen Sie das Risikokapitel vollständig, dazu die Abschnitte zu Fremdkapital, Bewertung und Kosten.
  4. Jahresbericht abgleichen. Stimmt die tatsächliche Zusammensetzung mit der beschriebenen Strategie überein? Wie hoch ist die Verschuldung?
  5. Eigene Unterlagen prüfen. Gibt die Geeignetheitserklärung Ihre Lage korrekt wieder? Haben Sie den Warnhinweis erhalten?

Beispiel: Das KID nennt eine lange empfohlene Haltedauer, die Fondsregeln sehen eine Verlängerung der Laufzeit vor, und der Prospekt erlaubt Kredite bis zur gesetzlichen Grenze. Einzeln wirken diese Punkte abstrakt. Zusammen ergeben sie ein klares Bild: Ihr Geld kann länger gebunden sein als geplant, und der Wert kann stärker schwanken als bei einem Fonds ohne Kredite.

Welche Warnsignale gibt es in den Unterlagen?

Folgende Punkte sollten Sie stutzig machen und zu Rückfragen führen:

  • Sie erhalten nur eine Werbebroschüre, aber kein KID, keinen Prospekt und keine Fondsregeln.
  • Werbeaussagen versprechen feste Erträge oder schließen Verluste aus. Solche Zusagen passen nicht zu einem ELTIF.
  • Laufzeitende oder Verlängerung sind unklar formuliert.
  • Die Angaben zu Kosten unterscheiden sich zwischen KID, Prospekt und Gespräch.
  • Der Fonds ist im zentralen ELTIF-Register von ESMA nicht auffindbar.
  • Die Geeignetheitsprüfung fand nur oberflächlich statt, oder Sie werden gedrängt, rasch zu unterschreiben.

Wie Sie einen Anbieter und das Register prüfen, beschreibt ELTIF Anbieter prüfen.

Wo bekomme ich die Unterlagen?

Das KID muss Ihnen vor der Zeichnung zur Verfügung gestellt werden. Prospekt, Fondsregeln und Berichte erhalten Sie in der Regel beim Verwalter, häufig auf dessen Internetseite, oder über den Vertreiber, also Ihre Bank oder Ihren Berater. Fragen Sie ausdrücklich nach der aktuellen Fassung, denn Dokumente werden geändert. Geeignetheitserklärung und Warnhinweis stellt Ihnen der Vertreiber aus, bei einem direkten Angebot der Verwalter.

Ob ein ELTIF zugelassen ist, können Sie im zentralen öffentlichen Register prüfen, das ESMA führt (siehe Datenbanken und Register auf der ESMA-Internetseite). Das Register enthält unter anderem den LEI und Angaben zum Verwalter. Bei Fragen zur Zulassung des Verwalters oder Vertreibers helfen die nationalen Aufsichtsbehörden, etwa die BaFin in Deutschland oder die FMA in Österreich.

Welche Unterlagen erhalte ich nach der Anlage?

Die Lektüre endet nicht mit der Zeichnung. Während der Laufzeit erhalten Sie in der Regel Jahresberichte und je nach Fonds weitere periodische Informationen, etwa zum Nettoinventarwert. Ändern sich Fondsregeln, Prospekt oder KID, etwa bei einer Verlängerung der Laufzeit oder einer neuen Rücknahmepolitik, sollten Sie die geänderte Fassung mit der früheren vergleichen. Bewahren Sie alle Dokumente auf, auch Geeignetheitserklärung und Warnhinweis. Sie helfen später nachzuvollziehen, auf welcher Grundlage Sie entschieden haben.

Welche Grenzen haben die Unterlagen?

Auch vollständige Dokumente beantworten nicht alles. Prospekte sind lang und juristisch formuliert, und wichtige Einschränkungen stehen manchmal in Nebensätzen. KID-Szenarien sind Modellrechnungen. Jahresberichte zeigen die Vergangenheit und einen Bewertungsstand, der bei Immobilien auf Schätzungen beruht. Und keine Unterlage kann beurteilen, ob Sie das Geld für die gesamte Laufzeit entbehren können. Für die eigene Prüfung hilft die Checkliste vor der Entscheidung.

Häufige Fragen

Reicht es, nur das KID zu lesen?

Nein. Das KID ist eine Kurzinformation und eignet sich zum Vergleich. Verbindliche Regeln zu Laufzeit, Rücknahme und Kosten stehen in den Fondsregeln und im Prospekt.

Wo finde ich die Anlagebedingungen eines ELTIF?

Beim Verwalter, oft auf dessen Internetseite, oder beim Vertreiber. Fragen Sie nach der aktuellen Fassung und nach allen Anhängen.

Wo werden Jahresberichte veröffentlicht?

In der Regel stellt der Verwalter sie auf seiner Internetseite bereit oder sendet sie auf Anfrage. Bei neuen Fonds gibt es anfangs noch keinen Jahresbericht.

Was ist eine Geeignetheitserklärung?

Sie dokumentiert das Ergebnis der Geeignetheitsprüfung nach MiFID II für Ihre Person. Ohne diese Prüfung und Erklärung darf ein ELTIF Privatanlegern nicht angeboten werden.

Wie prüfe ich, ob ein ELTIF zugelassen ist?

Im zentralen ELTIF-Register von ESMA, das unter anderem den LEI und den Verwalter nennt. Zusätzlich können Sie bei der nationalen Aufsicht prüfen, ob Verwalter und Vertreiber zugelassen sind.

Primärquellen

Allgemeine Information. Keine Anlageberatung und keine Geeignetheitsprüfung.